Eröffnung am Freitag, 20.03. 2026, 17 Uhr, Bushaltestelle gegenüber des Kunstvereins
Der Künstler Jonas Höschl setzt sich in seiner Arbeit seit Jahren kritisch mit dem zunehmenden Rechtsruck in unserer Gesellschaft auseinander. In seinem jüngsten Fotobuch analysiert er visuelle Codes und Symboliken rechtsextremer Gruppierungen. Auch seine geplante Intervention in der Kunsthaltestelle knüpft an diese Auseinandersetzung an.
Höschl bezieht sich dabei auf den rassistisch motivierten Anschlag vom Februar 2020 in Hanau, bei dem neun Menschen ermordet wurden – darunter auch der aus der Türkei stammende Regensburger Fatih Saraçoğlu. Mit einer temporären Umbenennung des Schwanenplatzes in „Fatih-Saraçoğlu-Platz“ möchte der Künstler einen lokalen Bezug herstellen und die Regensburger Stadtgesellschaft für die Aktualität und emotionale Tragweite des Ereignisses sensibilisieren.
Die Intervention versteht sich als Einladung zur öffentlichen Reflexion über Erinnerungskultur, gesellschaftliche Verantwortung und den Wert eines offenen, demokratischen Miteinanders.
Dieses Projekt wird unterstützt von der Regensburger Kulturstiftung der REWAG
über das Projekt
Text der Audiodatei
"In der Sprache des Mörders" von Derya Saraçoglu
Ich bin in Gedanken…
Ich denke an Heute, an Morgen, was gestern war was noch wird
Ich denke an Verwandte, an Streit, an Erfolge, Liebe, Gesundheit, Geld…
Alles was mit dem diesseits zu tun hat…
Ich bin hier nur hier
Ganz plötzlich
Ein Schmerz, dass quer durch mein Körper zieht
Ein Knall begleitet diesen Schmerz.
Plötzlich ist nichts wichtiger als mein Leben.
Alles, was im Diesseits passiert…
So unwichtig.
Ich höre mein Herz ganz laut pochen..
Ich fühle, wie mein Blut aus mir herausfließt.
Ich empfinde unbeschreibliche Schmerzen.
Ich schreie, aber kein Ton kommt aus mir heraus, niemand hört mich.
Niemand hilft mir
Ich frage mich, was passiert hier.
Was ist hier los…
Es ist zu spät, ich sterbe. Ich bin tot…
Ich trete einen Schritt zurück,
und sehe nicht ich, sondern du bist tot.
Was mir bleibt, ist diese Erinnerung, dieses Leid,
ein Albtraum für die Ewigkeit.
Mein Erbe sind nicht, wie jeder meint, Geld, Gold oder Häuser, auch kein besonderer Edelstein.
Mein Erbe sind Trauer, Angst, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.
Mein neues Ich, hier im Jetzt,
voller Tränen, voller Schmerz
Meine Gedanken Geprägt mit Bildern
die die Realität verzerren,
Die mein Leid vermehren…
Ich sterbe jede Nacht
den gleichen Tod wie du jener Nacht
Mein Atem bleibt stehen
ich bereite mich vor zu gehn
Doch der Schmerz reißt mich aus meinem Schlaf heraus, für mich ist es noch nicht aus.
Ich befinde mich in einem sog der Einsamkeit
und es zieht mich tiefer und tiefer in die Dunkelheit
Niemand hört mich.
Niemand hilft mir
Ich frage mich, was passiert hier.
Was ist hier los…
Ist es zu spät, sterbe ich, bin ich jetzt tot…
Nicht ich bin der Ermordete.
Ich blicke herab und stehe in der Blutlache von ihm.
Der Geruch des Todes liegt in der Luft
Impressionen von der Eröffnung
Fotos: © Rose Heuberger
